Die Geschichte

Die ersten Juden erschienen in der Stadt Ostrowo im Jahre 1717.

Die jüdische Bevölkerung von Ostrowo in XVIII – XX Jahrhundert

Die ersten Juden erschienen in der Stadt Ostrowo im Jahre 1717. Sie wurden in die Stadt von dem damaligen Inhaber der Stadt gebracht. Die jüdische Gemeinde entstand 1724, auf Grund des von Jan Jerzy Przebendowski 26 IX 1724 herausgegebenen Privilegs. Dieses Privileg erlaubte den 12 jüdischen Familien zu wohnen und den Handel zu führen. In der Stadt wurde für sie eine getrennte Stadtzone bestimmt, wo sie ihre Häuser, eine Synagoge und einen Friedhof bauen durften. Die erste Ostrowoer Synagoge war ein Holzgebäude und wurde kurz nach der Entstehung der Gemeinde gebaut. Neben der Synagoge baute man ein zweites Gebäude, das anfangs als ein Krankenhäuschen diente, und dann zum Rabbiner Haus wurde. Der erste jüdische Friedhof in Ostrowo wurde in den Jahren 1724 – 1780 genutzt. Der neue Friedhof wurde zum Nutzen im September 1780 außerhalb der Stadt (heutige Słowacki-Allee) übergeben.

In der Hälfte des XVIII Jahrhunderts wohnten in Ostrowo ein paarzehnte Juden. Im Jahre 1770 besaßen sie auf dem Stadtgebiet 23 Häuser. Im Jahr 1779 stieg die Zahl der Juden bis zu 158 Personen. Das waren vor allem Händler, Schneider, Kürschner und auch zwei Ärzte.

Der erste Ostrowoer Rabbiner war Talmud – Kenner Jakob ben Jicchak ha-Levi Lande (in Ostrowo in den Jahren 1773 – 1787). Unter seinen Nachfolgern sollte man einige hervorragende Wissenschaftler erwähnen, wie: Israel Meir Freimann (Patron einer der Ostrowoer Strassen), Elias Plessner und auch Leopold Neuhaus, der in die Tätigkeit der jüdischen Vereine in Ostrowo engagiert war.

Nach der Besatzung der Stadt Ostrowo von den Preußen auf Grund der zweiten Teilung Polens, ergab das erste preußische Einwohnerverzeichnis 1794, 381 Juden unter 2.541 Einwohnern. Die zahlreichste Berufsgruppe darunter waren die Schneider. In der Zeit des Fürstentums Warschau wohnten in Ostrowo über 30 jüdischen Familien. Nach dem Wiederanschluss zu Preußen zählte die jüdische Gemeinde in Ostrowo 40 Familien. Die Zahl der Juden in Ostrowo stieg sehr schnell, und im Jahr 1833 gab es schon in der Stadt 1.205 Personen. Das waren vor allem Kaufleute, Händler und Handwerker. Übergehend sank die Zahl der Ostrowoer Juden im Jahr 1848. Eine große Zahl der Juden verließ die Stadt während der polnisch – deutschen Auseinandersetzung in der Zeit des Völkerfrühlings. Dann wird diese Zahl systematisch steigen und erreicht 1861 das höchste Niveau, 1.919 Personen, was in dieser Zeit 1/3 der gesamten Zahl der Einwohner sein wird.

Im Jahr 1835 wurde eine zweiklassige jüdische Elementarschule gegründet, für die 1841 ein zweistöckiges gemauertes Gebäude eingerichtet wurde. Am 7. April 1857 legte man den Grundstein unter den Bau der neuen Synagoge in Ostrowo. Der Hauptbaumeister der Synagoge war der in Ostrowo geborene Moritz Landé, der Nachkommende des ersten Ostrowoer Rabbiners. Die Synagoge im mauretanischen Baustil wurde 1860 zur Nutzung gegeben. Dieses Gebäude, das das prächtigste Gebäude in der Stadt war, war ein Zeuge des Unglücks, das in Ostrowo 1872 am Tag des Festes Jom Kipur geschah. Die Ursache des Unfalls war der Abbruch der Gasleitung, die zur Beleuchtung der Synagoge diente. Es kam zu einer Panik, infolge deren während der Flucht 19 Personen ums Leben kamen.

Die Ostrowoer Juden lernten im Königlichen Katholischen Gymnasium zu Ostrowo. In den Jahren 1849 – 1919 bekamen rund 200 Juden in der Ostrowoer Oberschule das Abiturzeugnis. Zu den bedeutendsten Absolventen des Ostrowoer Gymnasiums gehörten:

  • Prof. Dr. Aron Freimann, hervorragender Historiker und Aktivist, Gründer einer großen Sammlung von Judaika und Hebraika in der Stadtbibliothek in Frankfurt am Main, Autor der ersten jüdischen Bibliografie, Autor der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Ostrowo "Geschichte der israelitischen Gemeinde Ostrowo",
  • Hermann Galewski, Direktor der Bagdadeisenbahn,
  • Aron Heppner, Dr. der Theologie, Historiker, Rabbiner in Koschmin und in Breslau, hervorragender Historiker und Archivar, Autor der monumentalen Arbeit "Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen
  • Gemeinden in den Posener Landen", die der Geschichte der großpolnischen Juden gewidmet wurde,
  • Heimann Kottek, Dr. der Theologie, Historiker, Rabbiner in Bad Homburg, Autor der umfangreichen Dissertation "Geschichte der Juden", die die Geschichte der Juden seit der Nachbibelzeit bis zum Anfang des XX Jh. beschreibt,
  • Hugo Landé, Jurist, Anwalt, hervorragender Politiker der deutschen SPD, Präsident von Düsseldorf,
  • Otto Landsberg, Jurist, deutscher Politiker (SPD), Reichstagsabgeordnete, Justizminister, Teilnehmer der Verhandlungen bei dem Abkommen in Versailles, deutscher Abgeordnete in Brüssel,
  • Martin Peltasohn, Jurist, deutscher Politiker, Reichstagsabgeordnete, Kämpfer um die Rechte der deutschen Juden,
  • Max Spiro, Vorsteher der Ostrowoer freiwilligen Feuerwehr und Historiker der Ostrowoer Feuerwehr.

Außer den schon erwähnten Absolventen des Ostrowoer Gymnasiums, kamen aus der Stadt Ostrowo auch:

  • Prof. Dr. Adolf Gerstmann, hervorragender Theaterexperte, Schriftsteller und Dolmetscher in Berlin und Stuttgart,
  • Joseph Krauskopf, Rabbiner und Sozial- und Politikaktivist in den USA, Berater der amerikanischen Präsidenten,
  • Dawid Lande, Kaufmann und Unternehmer in Lodsch, Vorläufer der Industrie in Polen,
  • Moritz Landé, Architekt, Baumeister der Synagoge in Ostrowo und des jüdischen Friedhofs in Berlin,
  • Thekla Landé, deutscher Politiker, Sozialaktivistin, Kämpferin um die Frauenrechte, Stadtverordnete in der Stadt Elberfeld,
  • Felix Priebatsch, Historiker, Buchhändler und Herausgeber in Breslau, Forscher der Geschichte von Schlesien,
  • Leopold Priebatsch, Gründer des Breslauer Verlagshauses,
  • Hermine Schildberger, deutsche Schriftstellerin und Dichterin, Verteidigerin des guten Namens der Stadteinwohner von Ostrowo,
  • Elfriede Spiro, Frau vom Prof. Emilo Segré, Mitterfinder der Atombombe, Nobelpreisträger in Physik (1959),

Außer der wirtschaftlichen Aktivität (Handel und Handwerk), nahmen die Ostrowoer Juden auch in den lokalen sozial - politischen Initiativen teil. Im Bruch des XIX und XX Jahrhunderts hatten die Juden ihre Vertreter in den Stadtbehörden. In Ostrowo waren auch viele jüdische Vereine und Organisationen tätig, die sowohl einen Selbsthilfecharakter (Hilfe für die Armen), als auch einen kulturellen (geschichtlichen und literarischen) Charakter hatten. Es gab auch eine jüdische "Eger-Loge".

Ende des XIX Jahrhunderts sank immer die Zahl der Juden in Ostrowo. Ursache dieses Geschehens war ihre Migration in den Westen Deutschlands. Anfangs des XX Jahrhunderts sank der Prozentsatz der Juden in Ostrowo bis zu unter 10% der gesamten Stadteinwohner. Nach dem Ende des I Weltkrieges reisten die meisten Ostrowoer Juden nach Deutschland, vor allem in die Großstädte (Breslau, Berlin). Manche von denen nahmen aktiv teil an dem Verein "Verein Heimattreuer Ostrowoer". Dieser Verein sammelte die Deutschen und Juden, die damals in Ostrowo wohnten. Man gab u.a. die Zeitschrift "Ostrowoer Heimat-Zeitung" heraus.

In Ostrowo in der Zwischenkriegszeit blieben nur ein paarzehnte Juden, die schon keinen festen Rabbiner besaßen. Sie befassten sich mit dem Kleinhandel und Handwerk. Im Moment des Ausbruchs des II Weltkrieges wohnten in Ostrowo nur 66 Juden.

Nach der Besatzung der Stadt Ostrowo von den Deutschen im September 1939 wurde die Synagoge zu einem Magazin verwandelt. Die Ostrowoer Juden wurden im Frühling 1940 in den Ghetto in Lodsch deportiert. Die meisten von ihnen sind schon dort, oder später in dem Konzentrationslager in Kulm ums Leben gekommen. Während der Besatzung, hatten die Deutschen den jüdischen Stadtviertel (so genannter "Grüner Markt", mit dem Platz, wo sich der erste jüdische Friedhof befand, vollständig vernichtet. Zerstört wurde auch der Friedhof in der Słowacki-Alle. An dieser Stelle haben die Deutschen eine Gärtnerei organisiert. Aus den gebrochenen Fragmenten der jüdischen Grabsteine wurde eine kleine Mauer rund um den Park beim so genannten "Grünen Markt" gebaut.

Nach dem II Weltkrieg wurde die Synagoge viele Jahre, als ein Möbelmagazin genützt. Dann ist sie systematisch in Ruine gefallen. Erst 2006 kam zu einer Einigung zwischen den Stadtbehörden von Ostrowo und der jüdischen Gemeinde in Breslau, die das Synagoge - Gebäude der Stadt Ostrowo verkaufte. Die Stadtbehörden von Ostrowo verpflichteten sich die Synagoge zu renovieren und zwei Lapidarien auf den Plätzen, wo sich damals die jüdischen Friedhöfe befanden, zu bauen.

2007 gründete man einen Verein "Freunde der Ostrowoer Synagoge", dessen Ziel ist, die Geschichte der Ostrowoer Juden zu forschen, Kontakte mit ihren Nachkommenden zu knöpfen und einen Lobby für die Renovierung der Synagoge zu bilden. 2007 wurde von dem Verein der erste, und 2009 der zweite Band von "Studia Judaica Ostroviensia" herausgegeben, die eine Menge von Artikel umfassen, die der Geschichte der Ostrowoer Juden gewidmet werden.

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